El día de los muertos in Mexiko

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Der Tod – Ein Fest

Jedes Jahr im November bekommen die Mexikaner Besuch. Es ist hoher Besuch, er hat eine weite Reise hinter sich und deshalb wird seine Ankunft ausgelassen gefeiert. Am 1. November, an dem Tag an dem in Deutschland an Allerheiligen still den Toten gedacht wird, begrüßen die Mexikaner voller Freude ihre verstorbenen Verwandten, Bekannten und Freunde, die auf „Kurzurlaub“ aus dem Jenseits vorbeischauen.

El día de los muertos – der Tag der Toten – ist ein farbenfrohes Fest, dass auf uns befremdlich und makaber wirken mag. Für die Mexikaner stellt es jedoch den Höhepunkt aller Feiertage dar und spiegelt ihr offenes Verhältnis zum Tod wider. Für sie stehen Leben und Tod in keinem Gegensatz zueinander. Im Gegenteil ist der Tod in Mexiko vielmehr ein fester, vertrauter Bestandteil des Alltags. Der Ursprung liegt in der Geschichte des Landes vor der Eroberung durch die Spanier begründet: Leben und Tod im alten Mexiko waren in einen natürlichen Prozess eingebettet: „Der Tod war ein verlängertes Leben und umgekehrt. Somit war er nicht das eigentliche Ende des Lebens, sondern nur eine Phase im unendlichen Kreislauf. Leben, Tod, Wiederauferstehung waren Stadien eines kosmischen Vorgangs, der sich unaufhörlich wiederholte“, so beschreibt es der mexikanische Schriftsteller Octavio Paz.

Dieses Verhältnis zum Tod hat bis zum heutigen Tag in Mexiko Bestand. Paz schreibt weiterhin dazu: „Der Mexikaner dagegen sucht, streichelt, foppt, feiert ihn, schläft mit ihm; er ist sein Lieblingsspielzeug und seine treueste Geliebte. Vielleicht quält ihn ebenso die Angst vor ihm wie die andern, aber er versteckt sich nicht vor ihm, noch verheimlicht er ihn, sondern sieht ihm mit Geduld, Verachtung oder Ironie frei ins Gesicht.“

Das zuckersüße Ende

Dieser ironische Umgang mit dem Ende des Lebens stellt sich deutlich in der traditionellen Ausrichtung des Totenfestes dar. Bereits Wochen vor dem eigentlichen Feiertag beginnen mexikanische Familien damit ihre Häuser mit Blumen zu dekorieren und Totenaltäre, so genannte ofrendas, zu errichten. Sie backen das pan de muerto, einen runden, süßen Hefefladen mit etwas Anis, der die Ewigkeit symbolisieren soll. In der Mitte des Brotes ist eine Träne abgebildet, seitlich verlaufen Skelettknochen. Auch die Straßen und Friedhöfe werden bunt und festlich geschmückt. Papiergirlanden, Pappmaché-Skelette, kleine, bunte Totenköpfe aus Zucker, Marzipan oder Schokolade und gelbe cempasúchil (Tagetes) gehören zu den bevorzugten Dekorationsartikeln. Die gelbe Blume, in Mexiko „Blume der 400 Blüten“ genannt, ist im November, und speziell zum día de los muertos, überall in Mexiko präsent. Im überlieferten Glauben geht man davon aus, dass Verstorbene die Farbe Gelb am besten erkennen können. Außerdem gilt die cempasúchil -Blume als Lieblingsblume der aztekischen Göttin Xochiquetzal, der Göttin der Erde und der Wächterin der Gräber.

Der Friedhof – Von Trauer keine Spur

Warum dieser Aufwand? Keine Frage: Wenn man Besuch erwartet, putzt man sich heraus. Und da el día de los muertos ein gemeinschaftliches Fest ist, beschränken sich die Feierlichkeiten nicht nur auf die eigenen vier Wände. Am Abend des 1. November werden die Seelen der Verstorbenen zunächst im Haus empfangen. Danach ziehen die Familien gemeinsam mit den Toten auf den Friedhof, um dort Nachtwache zu halten. Teilweise finden sogar Paraden durch die Straßen statt, bei denen eine geradezu karneval’eske Stimmung herrscht – mit morbiden Kostümen, Totenkopfmasken und bemalten Skelettgesichtern. Auf dem Friedhof isst und trinkt man mit den Verstorbenen das pan de muerto, die calaveras de dulce (Zuckertotenköpfe), Tamales und Tacos und trinkt Tequila und Mezcal. „In dieser Nacht erinnert man sich besonders klar an die difuntos, die Verstorbenen, schreibt Klaus Boll in „Kulturschock Mexiko“, „man spricht über ihre Besonderheiten, ihre Vorlieben, ihre kleinen menschlichen Schwächen, über die Art, wie sie starben und erinnert sich an ihre nächsten Freunde.“ Auch Musik und Tanz darf bei dieser ausgelassenen Stimmung nicht fehlen und erst in den frühen Morgenstunden nimmt man vorübergehend Abschied von den Toten – bis zum nächsten Tag der Toten.

Titelbild: ©Elisanth – Fotolia.com

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